Archiv für August, 2006
Latzfonser Kreuz
Tour am 31.08.06: Reinswald – Getrumalm – Lückl –Latzfonser Kreuz – Lückl – Getrumalm –Reinswald
Reine Gehzeit:4 Stunden 25 Minuten, Höhenunterschied 870 Meter (Reinswald 1492 ; Lückl 2370)
Wunderschöne Tour mit wunderschönem Ausblick
Den Aufstieg schenken wir uns: wir nehmen die Gondel Richtung Pichlberghütte (2150) und das ist die größte Leistung am heutigen Tag: meine Frau ist Seilbahn gefahren, kein Sessellift, sondern eine richtige Bahn mit Gondeln! Ab jetzt können wir auch andere Touren machen (siehe Morgen). Von der Bergstation ab geht es auf Weg 11 leicht abschüssig zur Getrumalm (ca. 45 Minuten). Anschließend leicht bergauf zu einem kleinen Hochplateau und dann steil hinauf zum „Lückl“, dem Übergang (vor allem im Hinblick auf die Aussicht) Richtung Latzfonser Kreuz. Anschließend hinab zur höchsten Wallfahrtskirche der Alpen (2 Stunden). An guten Tagen (wie dem unseren) kann man bis zur Tofana sehen. Der Rückweg bis zur Getrumalm wie gehabt (3 Stunden) und dann auf Weg 7 hinunter zur Talstation der Seilbahn (4 Stunden 25 Minuten) . Eine sehr lohnende Wanderung, sollte allerdings eine österreichische Reisegruppe mit vor Ort sein, dann muss man den Reisebus bereits vorher überholen, und ein wenig flott unterwegs sein, sonst kommt man im Schmäh um!
Roßzähne beißen nicht
Tour am 30.08.06: Compatsch – Mahlknechthütte – Seiser – Alm- Haus –Tierser-Alpl – Hotel Panorama – Compatsch
Reine Gehzeit:5 Stunden, Höhenunterschied: 630 Meter (Compatsch 1870 –Roßzahnscharte 2500)
Leicht anstrengende Tour mit tollem Blick auf so ziemlich alles!
Los geht’s am Parkplatz in Compatsch. Der Weg Nr. 7 steigt nur langsam an und ist leider auch als Fahrstraße zu den vielen Hotels gedacht, so dass man immer wieder Autos ausweichen muss. Kurz nach dem Hotel Paradies zweigt der Weg Richtung Mahlknechthütte (2054) ab, die man nach ca. 1,5 Stunden erreicht. Nicht zu verwechseln mit der Mahlknechtschwaige, an der man etwa 20 Minuten vorher vorbei kommt. Nun kann man entweder auf der Straße Richtung Seiser- Alm-Haus gehen (Weg Nr. 12), oder man wählt Weg 7 und kommt nach leichtem Auf und Ab und zwei wildromantischen Bachüberquerungen ebenfalls dort an (2154 Meter, 1 Stunde 50 Minuten).
Hier endet der „schöne“ Teil der Wanderung, die nächste Stunde verbringt man im steilen Aufstieg zur Tierser-Alpl-Hütte (2440 Meter, 2 Stunden 50 Minuten).
Nach einer wohlverdienten Stärkung geht es dann auf den Höhepunkt der Wanderung: Die Roßzahnscharte (3 Stunden) liegt nur knapp unterhalb des Gipfelkreuzes auf 2499 Metern. Von hier aus hat nun einen herrlichen Rundumblick. Anschließend steiler Abstieg (ca. 45 Minuten) und dann auf einfachen Wanderwegen wieder zum Hotel Panorama (4 Stunden 30 Minuten) und zum Parkplatz (5 Stunden).
Stark abkürzen könnte man, wenn man zum Hotel Panorama und auch retour den Sessellift nehmen würde.
Ein kleiner Tipp: auch am 30. August besteht keine Gutwettergarantie. Die 4° auf der Tierser Hütte wären zu verkraften, wenn nicht der Wind so eisig geblasen hätte.
Noch ein Tipp: die Straße nach Compatsch ist zwischen 9 und 17 Uhr nur für Hotelgäste befahrbar. Deshalb: Zeitig aufbrechen oder alternativ die Gondel zum Parkplatz nehmen, so spart man sich auch die Parkgebühren von immerhin 9€! (Die Gondel kostet einfach aber auch fast so viel – pro Nase!)
Toten Kirchl, 11.45 Uhr, es schneit
Tour am 29.8.06: Parkplatz Speckboden (Villanders) – Gasser Hütte –Totenkirchl und retour; Reine Gehzeit: 3 h 10 Minuten, Höhenunterschied 1590-2190
Leichte Tour zum Einlaufen auf breiten Wegen
Startpunkt ist der Parkplatz Speckboden. Hier endet eine Naturrodelbahn, auf der man im Sommer in etwa 20 Minuten leicht die Gasserhütte (1744) erreicht. Von hier ausgeht es auf gut ausgebauten Wanderwegen und an verschiedenen Almen entlang zum Totenkirchl, einer kleinen Marienkapelle (2190). Von hier aus könnte man weiter nach Sarnthein oder auf das Latzfonser Kreuz. Nachdem es aber am 29. August dort geschneit hat, haben wir davon Abstand genommen. Rückweg wie Hinweg, einigen unfreundlichen Deutschen begegnet und in der Gasserhütte einen Kaffee getrunken. Eine insgesamt einfache Tour mit schönem Ausblick auf die Dolomiten „gegenüber“.
PS: In einigen Wanderführern endet die Straße Richtung Gasser Hütte am Hotel Sonnenhügel, der Weg ist anschließend nur noch geschottert und eine Parkmöglichkeit an der Gasserhütte ist nur begrenzt möglich. Alles Schnee von gestern: Die Straße geht bis zur Hütte und der Parkplatz richtig groß!
Raffael Chirbes, Der Fall von Madrid
Madrid am Tag vor dem Tode des Diktators Franco. Der Möbelfabrikant Jose Ricart wird seinen 75. Geburtstag mit einem kleinen Fest feiern – eigentlich gegen seinen Willen. Denn was sollte es zu feiern geben. Er, der sein Unternehmen im Schatten des Franco-Regimes zu etablieren wusste, sieht sein Lebenswerk gefährdet…
Zwar ist viel Geld im Ausland in Sicherheit gebracht worden, doch Ricarts Haus ist nicht bestellt. Seine Frau Amelia vegetiert in geistiger Umnachtung dahin, sein Sohn Tomas weiß die Zeichen der Zeit nicht zu deuten und glaubt, alles werde schon so weiter gehen wie bisher. Immer wieder wechselt Rafael Chirbes die Perspektive. Mal sind es Familienmitglieder wie Ricart, Amelia und Tomas oder Ricarts Enkel Josemari und Quini oder Schwiegertochter Olga, aus deren Sicht von Gegenwart, Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft erzählt wird. Dann aber auch die Gäste des Festes, wie der Geheimdienstler Arroyo, der noch in der Nacht einen revolutionären Arbeiter erschießen lässt, die Künstlerin Ada Dutruel und ihr Mann, ein Literaturprofessor, oder auch das Hausmädchen Lurditas. Eine Romanfigur fällt aus dem Rahmen – der Arbeiter Lucio, weder Familienmitglied noch Gast des Festes.Ihm bleiben der letzte Ausblick, die letzten Worte des Romans vorbehalten – bittere Worte. Rafael Chirbes gelingt in der vielschichtigen Schilderung eines einzigen Tages die fesselnde Darstellung einer Gesellschaft im Umbruch.Offen bleibt, ob diejenigen, die ihr Leben für ein ”neues” Spanien eingesetzt haben, auch die Gewinner einer freieren Gesellschaft sein werden oder ob die alten Sieger auch die neuen sind.
Der blanke Wahnsinn: Walter Moers, Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär
Dass Walter Moers mehr als das Kleine Arschloch zeichnen kann, hat er längst bewiesen. Und nun sein erster Roman: Eine genial dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt… Grün und gelb möchte man vor Neid werden: Wo hat der Mann bloß die vielen Ideen her? In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze –- eine Figur skurriler als die andere. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: Münchhausen entpuppt sich als blutiger Lehrling im Vergleich zu Walter Moers, Die 131/2 Leben des Käptn Blaubär (Eichbornverlag, EUR 12,87)
Ein Tag mit Herrn Jules – von Diane Broeckhoven
Der Tagesablauf von Alice und Jules ist klar geregelt. Er macht Frühstück, sie den Haushalt. So auch an diesem Morgen. Über das Kaffeekochen kommt Herr Jules aber nicht hinaus – er stirbt auf dem Sofa und seine Frau braucht ein wenig, um das zu begreifen. Dann allerdings beschließt sie den “letzten” Tag mit ihrem Mann zu verbringen und eben nicht den Bestatter oder den gemeinsamen Sohn anzurufen. Sie kann ihm nun alles sagen und vergibt ihm auch die Affäre mit Olga. Ein kleines Problem entsteht, als David – der autistische Nachbarsjunge – zum täglichen Schachspiel mit Herrn Jules erscheint. Er durchschaut die Situation aber sehr schnell und springt in die Rolle von Herrn Jules ein.
Ein kleiner (92 Seiten) “Roman” über das Sterben und Verlassen, der dazu auch noch hervorragend ins Deutsche übersetzt wurde. Man könnte nun meinen, dass dieses Buch ja auf Grund des Themas schon wie für mich gemacht ist, es ist aber nicht mit schwarzem Humor durchsetzt, sondern es handelt sich um ein “leises” Buch, das alleine schon aus diesem Grund mehr als zu empfehlen ist.
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