Archiv für März, 2009
10 Dinge, die Schüler auf der Pfanne haben sollten…
… so lautet ein Artikel auf den Seiten von Scoyo, die ich seit geraumer Zeit verfolge (zunächst, weil sich ein Freund dort beworben hatte, jetzt, weil die Inhalte interessant sind). Die zehn “Dinge” sind:
1. Selbstständigkeit
Ralf von Scoyo versteht darunter das selbstständige Recherchieren und Fragen beantworten (in eigenen Worten natürlich). Hier sehe ich erhebliche Mängel bei unseren Schülern. Sie sehen gerne im Internet nach, allerdings können sie die gefundenen Informationen nicht beurteilen. Sind sie brauchbar? Sind sie richtig? (Alles, was im Internet steht ist doch richtig, oder?) Verstehe ich sie überhaupt? Kann ich sie einem Mitschüler erklären? Hier fehlen deutlich Grundlagen, die sich aber leider auch nicht so einfach erarbeiten lassen: in der Klasse steht ein PC, an die anderen Geräte komme ich im Grunde nicht heran. Ab dem nächsten Schuljahr sollen wir aber einen Laptopwagen mit 15 Geräten bekommen.
Ich stimme Ralf aber zu, Selbstständigkeit in diesem Bereich ist im Berufsleben enorm wichtig und die Schule muss hier deutlich zulegen!
2. Kürze und Präzision
Hier kritisiert Ralf “nicht endende Diskussionen, ohne Ziel, Punkt und Fazit.” Ralf geht es um z.B. Hausaufgaben, die einer Mindestanforderung unterliegen. Er plädiert eher für Maximalwerte, weil das näher am Berufsleben liege. Das könnte ich so unterstreichen, allerdings erlebe ich eher das Gegenteil. Zunächst einmal fragen die Schüler immer, “wieviel muss ich schreiben?” – entweder haben wir sie so an die Mindestanforderungen gewöhnt oder sie gehen den Weg des geringsten Übels (was ich ihnen oft noch nicht einmal übel nehme). Gibt man keine Richtlinie, finden sich zum Teil Antworten, die knapper gar nicht sein könnten. Aufgabe: “Stimmst du der Einführung von einheitlicher Schulkleidung zu? (10 Punkte)” Antwort: “Ja.”
Heute hatte ich in der achten Jahrgangsstufe die Zusammenfassung wiederholt und in den erweiterten Teil (Frage zum Text) eingeführt. Folgender Dialog entstand: “Wie viel muss ich da schreiben?” “So etwa zehn Zeilen!” “Soo viel? Das bringt mich glatt um!”
Ich befürchte, solange den Schülern nicht klar ist, wie eine vollständige und überzeugende Antwort aussieht, solange werde ich wohl mit Mindestanforderungen leben müssen. Schön ist das allerdings nicht.
3. E-Mail
Meine Schüler setzen E-Mail nur in wenigen Fällen ein, eigentlich bekomme ich nur aus meiner Abschlussklasse Mails, die immer sehr knapp und präzise sind: “Hallo Herr Holze, anbei meine Hausaufgabe.”
4. Teamwork
Teamwork gehört wohl zu den Kompetenzen, die im Beruf enorm wichtig sind und die in der Schule relativ einfach vermittelt werden können. Man muss sich allerdings zunächst einmal auf eine etwas unstrukturierte Phase einlassen, wenn man zum ersten Mal mit den Schülern eine Gruppenarbeit macht. Ich glaube, das schreckt viele Kollegen ab. Die Schüler verstehen aber recht schnell und sind beispielsweise auch nicht bereit, Schüler die nichts oder nur wenig beitragen eine längere Zeit “durchzuschleppen”.
5. Powerpoint
Powerpoint ist der Standart in der Geschäftswelt, da hat Ralf Recht. Auch in seiner Forderung nach interessanten und unterhaltenden Präsentationen. Persönlich habe ich viel aus dem Buch “ZEN oder die Kunst des Präsentierens” von Garr Reynolds gelernt. Ich finde er bietet gute Ansätze, die wir auch in der Schule ausprobieren sollten. Ich starte morgen damit. Meine Projektgruppe darf sich (nach Plakaten) nun an Powerpoint versuchen. Die Idee heißt “Pecha-kucha”. Die Schüler verwenden 20 Powerpointfolien, die jeweils für 20 Sekunden sichtbar sind. Insgesamt haben sie also 6:40 Minuten, um ihr frei gewähltes Thema zu präsentieren.
6. Social Network Skills
Würde ich als Medienkompetenz verstehen und hat sicher seinen Platz in der Liste verdient. Was darf ich im Netz schreiben, was nicht.
7. Soziales Engagement
Kann ich nur unterstreichen. Ist bei den Schülern aber öfter vorhanden, als wir das ahnen. Vielleicht interessiert es uns ja nur nicht?
8. Dinge geregelt kriegen
Ich nenne das mal Selbstorganisation und hier haben wir echte Defizite. Ich warte noch auf das Schuljahr, in dem ich den Satz “Ich habe mein Referat nicht fertig” einmal nicht höre. Heute erst wieder erlebt und das bei einer Vorbereitungszeit von fünf Monaten!
9. Das Lernen lernen
Enorm wichtig, kommt auch immer mehr in der Schule an, allerdings recht unkoordiniert. Ich halte eine Wochenstunde für angebracht.
10. Respekt und Achtung
Kann ich im Hinblick auf die Werteoffensive des Bayerischen Kultusministeriums nur unterschreiben. Dazu sollte man im Kollegium aber einen Konsens erzielen…
Ich würde der Liste noch einen elften Punkt hinzufügen:
11. Eigeninitiative entwickeln
Wir als Lehrer sind gefordert, unsere Lernsituationen so zu konzipieren, dass Eigeninitiative auch einen Platz hat, damit die Schüler diese Kompetenz erwerben können. Ich hoffe hier ein wenig von unserem “Segel-Team” (wir sind Projektschule) zu profitieren, das sich vor dem Hintergrund des “Selbstregulierenden Lernens” Gedanken macht.
Fundsache
Zurzeit sitze ich hier wieder einmal an einer Hausaufgabenkorrektur meiner Abschlussklasse. Thema (u.a.) “Mobbing in der Schule”. Da war doch noch was… Ach ja, die Main-Post vom Donnerstag:
Lesen bildet eben!
Online Umfragen mit Grafstat
So ab und an braucht man einmal die Möglichkeit, Onlineumfragen zu starten. Meine Schule verwendet dafür eine kommerzielle Software: Grafstat. Eigentlich ist “kommerziell” nicht ganz korrekt, dazu später aber mehr.
Die Software läuft lokal auf dem Rechner. Nach der Installation kann es auch sofort losgehen. Unter “Fragebogen erstellen” kann man die entsprechenden Fragen eintragen, darunter befindet sich die Möglichkeit, die Antworten zu definieren. Grafstat bietet hier die Einfachwahl (eine Antwort aus mehreren Vorgaben), eine Mehrfachwahl (mehrere Antworten aus mehreren Vorgaben), eine Skala (z.B. von -5 bis +5), eine konkrete Maßzahl und die freie Frage (sprich freie Texteingabe). Wenn das Formular fertig ist, kann muss man die Befragung anmelden und anschließend hochladen. Hier unterscheiden sich dann die “Umsonst-Version” und die kommerzielle Version: will man nichts zahlen, legt das Programm die Befragung auf Servern von Universitäten ab, wann und ob die Daten gelöscht werden, ist aber nicht nachvollziehbar. In der “Bezahl-Version” bin und bleibe ich Herr über meine Daten und das halte ich im Sinne des Datenschutzes auch für sinnvoll.
Die Auswertung übernimmt das Programm auch, man muss die Daten nur vom Server abholen. Vom Tortendiagramm bis zur Kreuzabfrage ist alles möglich. So leicht ist mir das Auszählen von Fragebögen noch nie gefallen
.
Mittlerweile habe ich zwei Befragungen am Start. Eine betrifft unser gemeinsames Projektlogo unseres Comenius-Projektes, die andere eine Rückmeldung der Schüler aller Vorabschlussklassen über ein gemeinsames Unterrichtsprojekt der Textverarbeitungsfachschaft und der Deutschfachschaft an unserer Schule.
Über eines habe ich mich allerdings geärgert: Es ist mir (trotz HTML-Kenntnissen) nicht gelungen, Bilder in den Fragetext einzubauen. Der Entwickler verspricht aber Abhilfe.
Besuch in Schwabach
Verfasst von admin unter Notebookklasse, Segel BS am 25. März 2009
Notebookklassen – Entscheidungshilfe
Heute durfte ich zusammen mit einer Kollegin und unserem Schulleiter die Städtische Wirtschaftsschule in Schwabach besuchen. Grund war deren Engagement mit Notebookklassen. Viele Fragen wurden gestellt, viele Antworten gegeben und neue Fragen ergeben sich nun. Die Wirtschaftsschule verknüpft die Notebookklassen mit dem Prinzip der Wochenplanarbeit, eigentlich müsste man sagen, sie verknüpft das Prinzip der Wochenplanarbeit mit Notebooks. Das erscheint mir sehr wesentlich, weil die Notebooks dann als “Werkzeug” eingesetzt werden und nicht als Marketinggag “Wir sind modern”. Bei uns an der Schule wird gesegelt (Segel BS Modellschule), so dass unser Unterrichtsprinzip im Wesentlichen feststeht. Ob das jetzt besser oder schlechter als Wochenplanarbeit ist, spielt keine Rolle. Interessant war für mich dennoch besonders der technische Teil. Die wesentlichen Fragen sind für mich beantwortet.
- Wie frei können die Schüler mit dem Laptop umgehen – anders gefragt: wie sehr schränkt die Schule als Admin die Schüler ein?
Schwabach ist dazu übergegangen, den Schülern den größtmöglichen Freiraum zu lassen, soweit das die schulische Arbeit mit den Geräten zulässt. Sobald sich die Schüler mit dem Hausnetz verbinden, wird ihr Rechner über SHN mit einem Server synchronisiert, sodass eine kontinuierliche Arbeit möglich ist. Sollte ein Rechner schwerer beschädigt sein, hat die Schule Leihgeräte für die Schüler. Die Rechner können dann aber nicht mehr individuell (sprich: von den Schülern) mit neuen Programmen etc. ausgestattet werden. - Wie kommen die Schüler an Materialien heran und wo legen sie ihre eigenen Dateien ab?
Jede Klasse besitzt ein eigenes Verzeichnis mit Ordnern für die einzelnen Schüler, für die Fächer, als Transfer und für die Lehrer. Der Zugriff ist nur auf das eigene Verzeichnis und auf das Transferlaufwerk möglich.
Dahinter steckt eine recht umfangreiche Schulinfrastruktur, die mich schon nachdenklich werden lässt. Ich glaube nicht, dass das der Weg ist, den wir gehen sollten. Ich würde eine Lösung über ein LMS bevorzugen, das halte ich für wartungsärmer und v.a. ist es auch von zu Hause aus erreichbar. Schwierigkeit: für unsere Schulart ist in Bayern eigentlich kein LMS im Angebot. Bayernmoodle richtet sich ausschließlich an Gymnasien und das Hosten eines eigenen Moodlesystems traue ich mir nicht zu. - Was kostet das für die Schüler?
Die Schwabacher rechnen mit ca. 1150 Euro für vier Schuljahre. Darin sind der Laptop, eine Garantieerweiterung, Wartungsverträge und die eigene Infrastruktur enthalten. Die Schule bietet zusammen mit der örtlichen Sparkasse auch ein Finanzierungsangebot an, das aber in sechs Jahren maximal fünfmal abgerufen wurde (darunter zwei Kollegen!). Inzwischen überlegen sie, ob nicht auch Netbooks ausreichen. Dazu muss man allerdings bemerken, dass die Schule erheblich besser mit PCs ausgerüstet ist als wir und der Zugang zu einem PC (wenn man z.B. mehr Rechenleistung braucht, ich denke an Videoschnitt, Bildbearbeitung u.ä.) deutlich leichter ist. Dennoch sollte man das nicht aus den Augen verlieren.
Insgesamt hat sich der Besuch “gelohnt”. Viele Vorüberlegungen haben sich bestätigt und eine Bemerkung des Systembetreuers wird mir noch länger im Gedächtnis bleiben: Man kann viel darüber reden, irgendwann muss man aber auch mal anfangen.
Wir werden uns wohl demnächst zusammensetzen und die Fahrt besprechen. Dann hoffe ich auf einen konkreten Fahrplan, allerdings dürfte das kommende Schuljahr zu früh sein: am Montag berät der Kreistag über unseren Haushalt, nachträgliche Wünsche erst wieder ab 2010.
Notebookklasse
Verfasst von admin unter ELearning, Notebookklasse am 19. März 2009
In der kommenden Woche darf ich zusammen mit einer Kollegin und unserem Schulleiter die Wirtschaftsschule in Schwabach besuchen. Wir wollen uns dort die Notebookklassen ansehen und v.a. mit den beteiligten Kollegen sprechen, uns das didaktisches Konzept anschauen und Erfahrungen erfragen. Hintergrund ist die Überlegung, ob unsere Schule im nächsten Schuljahr ebenfalls in eine Notebookklasse einsteigt.
Bisher haben wir als Prämisse folgendes festgelegt: Der Unterricht in der Notebookklasse muss einen deutlichen “Mehrwert” haben. Sollte das nicht der Fall sein, dann steigen wir nicht ein. Im Grunde ist das eigentlich ganz einfach für uns: Parallel nehmen wir nämlich an “Segel BS” teil, einem Modellversuch des ISB Bayern. Dieser Modellversuch setzt auf selbstregulierendes Lernen und fordert von uns Lehrern eine völlig andere Unterrichtsgestaltung. Die Kollegin und ich sind davon überzeugt, dass das mit Notebooks besser zu erreichen ist. Konkret bedeutet baut Segel auf verschiedenen Strategien auf:
- Lesestrategie
- Informationsbeschaffungsstrategie
- Selektive Informationsstrategie
- Ressourcenstrategie/li>
- Problemlösungsstrategie
- Elaborationsstrategie
- Reflexionsstrategie
- Regulationsstrategie1
Dazu kommen weitere Überlegungen:
- Der PC ist ein Arbeitsmittel, der für die Ausbildung und den Beruf absolut notwendig ist. Je höher unsere Schüler qualifiziert sind, desto größer sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 2
- Durch die Arbeit mit Learn Management Systemen kann eine einfachere Differenzierungen im Unterricht erreicht werden.
- Laptops erleichtern die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Lehrern, Schülern und Schülern und Lehrern und Schülern. Der Unterricht mit insgesamt vernetzter. 3
- Inhaltliche Verknüpfungen während des Unterrichts (zum Beispiel während einer Recherche mit einem konkreten Arbeitsauftrag) sind einfacher zu bewerkstelligen.
Unsere Vorüberlegungen sind also nun soweit gediehen, dass wir uns konkret umsehen (Bericht folgt!). Wenn ihr Erfahrungen mit Notebookklassen habt oder Tipps geben könnt, wir freuen uns!
Am morgigen Tag beginnt aber erst einmal mein volles Programm: als Schulentwicklungsmoderator in Schweinfurt, als Kabarettbesucher in Erfurt (Georg Schramm) und als Bass in unserem Gospelchor in Ostheim.
- hier könnt ihr ein wenig mehr zu den verschiedenen Strategien nachlesen und auch, warum wir glauben, dass Notebooks sinnvoll sein dürften. Die Darstellung ist nicht einheitlich, weil mehrere Kollegen mitgearbeitet haben. Es handelt sich hier um unsere Vorüberlegungen ↩
- Der erheblich tiefere Einstieg v.a. in die Datenverarbeitung sollte von der Schule auch zertifiziert werden! Das sind genau die Fähigkeiten, die die Betriebe von unseren Schülern verlangen. ↩
- Die Vernetzung ist ein wesentlicher Bestandteil von Segel BS. Letztlich läuft vieles auf einen Lehrplan heraus, der lernfeldorientiert ist. ↩
Cobocards – Auswertung
Nun endlich ist die Umfrage gelaufen und ich kann ein paar Ergebnisse präsentieren. Die Ausgangslage war folgende: An dem kleinen Projekt haben Schüler einer Abschlussklasse teilgenommen. Die meisten der Schüler werden einen Beruf erlernen, einige wenige eine weiterführende Schule (FOS) besuchen. Cobocards kam im Fach Betriebswirtschaft, das von meinem Kollegen Peter Schmidt unterrichtet wird, zum Einsatz. Die Schüler bereiteten sich gemeinsam auf eine Schulaufgabe vor, bei der Lerninhalte aus dem letzten Jahr wieder aktuell wurden. Die Karten dienten also vor allem der Wiederholung.
Dass es mit der Auswertung so lange gedauert hat, tut mir aufrichtig leid. Dafür soll es jetzt losgehen. Zunächst werde ich die “nackten Fakten” präsentieren. Eine Interpretation folgt anschließend. Bei der Interpretation der Zahlen darf ich auf die Mithilfe von Peter Schmidt und Ali Yildirim (Mitarbeiter von Cobocards) setzen, sie werden auch ihre Sichtweise darstellen. Dafür herzlichen Dank!
Den Einsatz von Cobocards fand ich sinnvoll
Die Nennungen der Schüler:
- ja (35%)
- eher ja (39%)
- eher nein (17%)
- nein (9%)
Dieses Ergebnis finde ich ermutigend. Fast 3/4 der Klasse findet Cobocards sinnvoll. Allerdings stimmt das nicht mit den Nutzungszeiten überein. Hier sagten nur 4%, dass sie Cobocards “sehr oft” eingesetzt haben, immerhin 61% verwendeten das Angebot “gelegentlich”. Ich interpretiere das so: Die Schüler erkennen schon, dass die Methode Sinn macht, allerdings macht sie auch Arbeit. Die Erstellung der Karten kann damit aber eigentlich nicht gemeint sein, denn diese Arbeit war “Pflicht”, so dass es offensichtlich das Lernen an sich ist, das 61% zum “Gelegenheitscobocardsbenutzer” macht. Vielleicht hätte man die Schüler aber auch über die Qualität der Lernkarten befragen sollen. Wenn die Karten inhaltlich nichts hergeben, macht auch die Verwendung von Cobocards keinen Sinn!
Peter Schmidt: Ich finde nicht, dass man bei der Anwendung von Cobocards von Arbeit sprechen kann. Gelernt haben die Schüler schon, nur sie haben das Medium Cobocards nicht genutzt. Meiner Meinung liegt das an der Geschwindigkeit mit der Cobocards arbeitet. Die technische Ausstattung kann es nicht sein. Auch Schüler mit einem DSL 6000 Anschluss beklagten lange Wartezeiten beim Aufbau des Programms oder beim Aufrufen eines bestimmten Kartensatzes.
Ali Yildirim: Ich denke schon, dass die Nutzung von Cobocards auch Arbeit ist. Man muss Arbeit in die Erstellung von Karteikarten investieren, die jedoch nicht vergebens ist, da Schüler bereits beim Schreiben lernen. Das ist auch gut so. Wir wollen keinen Content zur Verfügung, der in unserer Sprache formuliert ist (ich bin, wie sie wissen, Diplom-Kaufmann und könnte durchaus Inhalte in BWL formulieren). Doch ich schreibe Karten so, dass ich sie verstehe und nicht für 25 andere Schüler. Die Kritik hinsichtlich Ladezeiten können wir wirklich nicht nachvollziehen, da uns entsprechendes Feedback nicht erreicht. Sollte Cobocards tatsächlich langsam sein, werden wir entsprechend mit Serverkapazitäten reagieren.
Wie hast du Cobocards genutzt?
Die Nennungen der Schüler:
- alleine (52%)
- mit Freunden (13%)
- alleine und mit Freunden (35%)
- gar nicht (0%)
Der hohe Anteil der “Alleinlerner” erklärt sich so: In der Schule schaffen wir es oft nicht, den Schülern die Vorteile einer Zusammenarbeit deutlich zu machen. Unsere Schüler sind (so wie die Lehrer) oft Einzelkämpfer. Dazu kommt die Situation in meiner Klasse, die zu Beginn des Schuljahres aus zwei Klassen zusammengesetzt wurde. Die Zusammenarbeit mit “den Anderen” ist auch im normalen Unterricht oft schwierig. Darüber hinaus konkurrieren die Schüler um Ausbildungsplätze, so dass sich auch ein gewisser Egoismus breit macht.
Peter Schmidt: Das sehe ich anders. Es liegt hier kein wirklicher Mehrwert in der Abfrage durch Freunde. In Gesprächen wurde mir das so bestätigt. Manche scheuen auch den technischen Aufwand z. B. gleichzeitig über Skype zu telefonieren. Der eigentliche Mehrwert liegt für mich in der gemeinsamen Erstellung und dem gemeinsamen Aufbau einer für alle zugängigen Lernplattform.
Ali Yildirim: Das sehe ich nicht so. Ich habe im Studium gerne meinen Kommilitonen mein Wissen weitergeben, obwohl ich es auch hätte lassen können. Für mich war es wichtig, auf aufkommende Fragen (die ich bis dato nicht erkannt hatte) reagieren zu können. Ich habe Ihnen den Stoff beigebracht und gleichzeitig mich überprüft. Dabei haben mich meine Kollegen z.T. auch korrigiert. Wir haben gegenseitig von unserem Wissen profitiert. Skype, MSN oder sonstige VoIP-Software hat mittlerweile jeder Schüler auf seinem Rechner. Ich denke nicht, dass sie es scheuen. Ich teile auch hier wieder Ihre Meinung.
Andererseits haben die Schüler ihren Kartensatz eingestellt und für die Klasse auch veröffentlicht. Ob allerdings neben der Arbeitsanweisung auch andere Motive ausschlaggebend waren, ist mir nicht klar.
Peter Schmidt: Nicht jeder hat Karten erstellt und es wurden nicht an alle Schüler Einladungen verschickt. Anderseits haben manche Schüler die erhaltenen Einladungen nicht bestätigt und somit keinen Zugang zu den Kartensätzen erhalten. Hier spielt vor allem folgende Tatsache eine Rolle: Einige Schüler verwendeten für die Anmeldung eine Mailadresse, die nicht ständig genutzt wird. Daher konnten sie die Einladungen nicht oder erst später sehen.
Ali Yildirim: Die Abstimmung innerhalb der Klasse können wir nicht beeinflussen. Auch nicht, dass Schüler Einladungen nicht bestätigen. Wenn ein Schüler die Nutzung von Karteikarten als „nicht-sinnvoll“ ansieht, dann kann auch Cobocards ihn nicht dazu motivieren. Teammitglieder müssen ihre richtigen E-Mail Adressen kennen und ihre Mailboxen auch abrufen.
Ich konnte das gelernte Wissen in der Schulaufgabe einsetzen
Die Nennungen der Schüler:
- ja (17%)
- eher ja (48%)
- eher nein (22%)
- nein (13%)
Diese Frage stellt eigentlich keine Rückmeldung für Cobocards dar. Ob ich gelerntes Wissen einsetzen kann oder nicht liegt ja am gelernten Wissen und nicht an der Methode. Wenn ich die gleichen Inhalte z.B. mit Lernplakaten visualisieren lasse, ändert das ja nichts an der Sinnhaftigkeit. Interessanter erscheint mir die folgende Frage:
Würdest du Cobocards auch in der Zukunft für die Prüfungsvorbereitung nutzen?
Die Nennungen der Schüler:
- ja (35%)
- eher ja (31%)
- eher nein (17%)
- nein (17%)
2/3 sagen “ja” oder “eher ja”, das ist schon mal erfreulich. Allerdings geben diese Zahlen keinen Rückschluss auf die Motive. Neben besonders auf Cobocards zugeschnittenen Motiven (Bedienung, Funktionsumfang…) spielen auch andere Faktoren eine Rolle: die Qualität der Lernkarten, die Bereitschaft Wissen zu “teilen” und gemeinsam an einer Aufgabe zu arbeiten, die Affinität zur Methode “Lernkarte” und die Begeisterung für den Umgang mit “neuen Medien”. Wenn ein Schüler für sich feststellt, dass er mit Lernkarten nichts anfangen kann, weil er mit einer anderen Methode größere Erfolge hat, dann ist das sein gutes Recht und seine Entscheidung, Lernkarten nicht zu verwenden, nur richtig.
Für welche Fächer eignet sich Cobocards?
Die Nennungen der Schüler:
- Englisch (7x)
- Betriebswirtschaft (4x)
- Volkswirtschaft (1x)
- Rechnungswesen (1x)
- “Lernfächer” (1x)
Dass Englisch der “Spitzenreiter” ist, wundert mich nicht. Wenn Schüler Karteikarten mit Schulfächern verbinden, dann sicher in den Fremdsprachen. Das Vokabellernen bietet sich ja geradezu an. Letztlich kommt es aber v.a. auf die Art der Karten an, die man erstellt. Vokabeln sind recht leicht zu handhaben: ein Wort oder Begriff als “Frage” und die Antwortmöglichkeiten sind begrenzt. Das funktioniert auch alleine, die Zusammenarbeit mit anderen Schülern ist nicht unbedingt nötig.
Im unserem Fall hatten die Schüler eher Schwierigkeiten, die Inhalte so darzustellen, dass sich einfache Fragen daraus ableiten lassen. Krassestes Beispiel war eine Karte mit Informationen aus der Wikipedia. Die Inhalte stimmten zwar mit dem Thema überein, “lernbar” und “abfragbar” war die Karte aber nicht. Das haben die anderen Schüler dann auch so bemängelt. Wenn man also auch in anderen Fächern mit Karteikarten arbeiten will, müssen die Schüler lernen, wie man diese Karten anlegt, damit sie nicht nur reine Gedankenstütze sind.
Was gefiel dir besonders an Cobocards?
Die Nenungen der Schüler: (Mehrfachnennungen möglich!)
- Einfachheit der Nutzung (60%)
- Online lernen (52%)
- Gemeinsam lernen (44%)
- Vielfältige Funktionen (20%)
- Design (4%)
- Erklärvideos (0%)
Ich weiß nicht, ob Usabilityexperten jetzt jubeln oder nicht. Ist 60% bei der Nutzungseinfachheit gut? Das kann ich nicht beurteilen. (Ali Yildirim ist jedenfalls mit dem Ergebnis zufrieden!) Dass die Erklärvideos mit 0% abschneiden scheint ein Hinweis darauf zu sein, dass man eigentlich keine Erklärung braucht und sich Cobocards quasi selbst erklärt. Vielleicht hat mein Kollege aber auch nur gut vorgearbeitet und eine prima Einführung gemacht. Er selbst meint, dass die Erklärungen während der Arbeitsphase von ihm gegeben wurden. Die Schüler fragen lieber persönlich nach als sich ein Video anzusehen. Als ermutigend empfinde ich die Zahl von 44% der Schüler, die das gemeinsame Lernen gut finden.
Der Funktionsumfang von Cobocards ist seit dem Projekt deutlich gewachsen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jetzt noch einmal nur 20% der Schüler so abstimmen würden. Kleine persönliche Anmerkung: die RSS-Funktion finde ich vorbildlich, ich wünschte mir, Moodle würde sich hier eine Scheibe abschneiden!
Was gefiel dir nicht an Cobocards?
Die Nennungen der Schüler:
- dass man für jeden Kartensatz alle Mitschüler neu einladen musste
- das Laden hat manchmal lange gedauert (2x)
Das Ladeproblem dürfte sich auch aus der etwas ländlichen Umgebung meiner Schule erklären, hier hat nicht jeder DSL.
Peter Schmidt: Das ist nicht der Grund. Ich habe DSL und habe – gerade, wenn mehrere Schüler gleichzeitig online waren, sehr lange gewartet, bis ein Kartensatz aufgerufen wurde.
Ali Yildirim: Ich hätte mir gewünscht, dass Herr Schmidt uns dies kommuniziert hätte. Vor allem als ich ihn auch angesprochen habe. Leider haben wir das Problem, dass wir ohne entsprechendes Feedback nicht reagieren können. In unserem Blog können sie sehen, dass Herr Schiller aus Frankfurt ähnliche Probleme hatte. Wir haben umgehend reagiert. Ich denke, Herr Schmidt hat Cobocards danach nicht getestet. Ich werde das Thema auch mit meinen Kollegen noch einmal besprechen und eine erneute Überprüfung der Server veranlassen.
Würdest du Cobocards weiterempfehlen?
Die Nennungen der Schüler:
- ja (39%)
- kommt darauf an (57%)
- nein (4%)
Die wohl wichtigste Frage für die Cobocardsbetreiber. Nur 4% sagen “nein”, das ist ein prima Ergebnis. Die Gründe für eine Empfehlung dürften wohl ähnlich sein wie die, die ich bei der Frage “würdest du Cobocards auch in Zukunft verwenden?” bereits genannt habe.
Mein Fazit:
1. Nicht jeder Schüler ist für die Methode “Lernkarte” zu haben und das ist auch gut so. Mir ist wieder einmal klar geworden, dass ich den Schülern viel häufiger unterschiedliche Lernmethoden zeigen sollte, damit sie die Methode finden, mit der sie am besten zurecht kommen.
2. Als Lehrer muss ich weiterhin daran arbeiten, dass die Schüler den Sinn eines gemeinsamen Arbeitens erkennen. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern macht auch mehr Spaß und bringt letztlich auch Erfolge. Allerdings muss das gemeinsame Lernen auch geübt werden.
3. Mich hat das kleine Projekt wieder ein wenig „geerdet“. Nicht alles, wofür ich mich begeistern kann, kann auch andere begeistern. Das weiß ich eigentlich, ich vergesse es nur immer wieder.
Danke an Ali Yildirim und auch an den Kollegen Schmidt!
Heftige Diskussion…
… heute am frühen Abend. Seit Beginn des Schuljahres machen uns unsere 8. Klassen erhebliche Sorgen: eine kleine Gruppe von Schülern sorgt dafür, dass wir immer mehr Zeit dafür aufbringen müssen eine angemessene Lernumgebung herzustellen. Die anderen Schüler lassen das geschehen und trauen sich im Grunde auch nicht, sich gegen die Gruppe zu stellen. Ordnungsmaßnahmen sind eigentlich fast an der Tagesordnung. Weder Schüler noch Lehrer gehen “gerne” in ihre Klasse.
Heute Abend war dann Klassenelternabend. Konkreter Anlass war die Tatsache, dass eine Kollegin mit Stiften beworfen wurde und ein anderer Kollege beleidigt wurde. Erfreulich: alle Eltern waren da, auch die meisten Schüler. Die Gesprächsleitung übernahm der Elternbeiratsvorsitzende und ich finde, er hat seine Sache richtig gut gemacht. Dennoch war die Diskussion heftig und auch recht emotional. Im Grunde war es eine Art “Bestandsaufnahme”. Einig war man sich am Ende, dass die “schwachen” Schüler geschützt werden müssen und dazu müssen alle beitragen. Die Eltern wollen sich jedenfalls zwischen Ostern und Pfingsten wieder treffen und sehen, ob der Abend etwas gebracht hat. Das ist für mich genauso schwammig wie es klingt. Im Grunde bin ich so ratlos wie vorher, nur dass es jetzt jeder weiß. Ich schätze, diese Versammlung wird mich noch ein wenig länger beschäftigen.
Seltsame Preisgestaltung
Kurz vor Weihnachten hatte ich einen Termin mit Willy, Willy Astor. Allerdings nicht als Komiker (da finde ich ihn nur begrenzt witzig) sondern als Gitarrist. Das Konzert war wirklich schön und am Klavier und an vielen anderen Instrumenten war Martin Kälberer zu bewundern. In der Pause gab es dann den üblichen Merchandisingstand und die Kälberer CD “Malawi Mystery Man” wanderte in meinen Bestand. Heute nun wollte ich die CD verschenken und direkt über Amazon versenden lassen. Da trifft mich doch glatt der Schlag:
Amazon hat die CD gar nicht im Angebot und die beiden Marketplace-Firmen verlangen für die CD schlappe 115.- bzw. 117.- Euronen. Ich habe übrigens 15 Euro gezahlt. Ähnliche Preis hatte ich eigentlich erst einmal gesehen: Eddie Jobsons “Zinc” ging bei Ebay mal für 180.- Euro über den Ladentisch. Zum Glück habe ich die schon (als Platte).
Neu in meinem Regal seit dieser Woche sind:
- Cryptic Vision: “Moments of Clarity”
- Seven Steps To The Green Door: “step in 2 my world”
- Salem Hill: “Mimi’s Magic Moment”
- Karmakanic: “Entering the spectra”
- Quidam: “Alone together”
- Rush: “A Show of Hands”

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