In dieser Woche darf ich (nach meiner Onlinefortbildung) real in Dillingen erscheinen. Thema: „Lernen im virtuellen Klassenzimmer“. Heute gab es zunächst einmal eine Einführung in das E-Learning und in die Arbeit mit Moodle. Ganz neu ist mir Moodle ja nicht, allerdings bin ich mit der Schlussthese des Referenten nicht ganz einverstanden. Er behauptet, die Arbeit mit Learn Management Systemen (LMS) geht einher mit einer neuen Lernkultur. Der Mehrwert liege darin, dass man als Lehrer sehe, was der einzelne Schüler arbeitet und dass Materialien schneller bei der Hand wären (was in vielen Fällen sicher richtig ist) und dass sie – im Gegensatz zu gedruckten Materialien wie Arbeitsblättern – auch besser wiederzuverwerten sind. Darüber hinaus sei der Austausch mit Kollegen fruchtbarer. Auch der berühmte Lehrer als „Coach“ kam wieder zur Sprache.

Für mich war auf den ersten Blick nicht ersichtlich, wo der Mehrwert jetzt genau liegt und was jetzt daran eine neue Lernkultur sein soll. Im Grunde arbeiten die Schüler weiterhin lehrergesteuert, er stellt die Materialien zur Verfügung, er stellt die Aufgaben, er bewertet und er gibt einen Lernweg vor. Ich kann daran keine neue Lernkultur feststellen, außer dass es eben „in ist“, mit neuen Medien wie dem Internet zu arbeiten. Die Vorteile für die Lehrer sind schon nett, aber rechtfertigt das den Einsatz von LMS?

Ich würde eigentlich eine Stufe weitergehen wollen und die Lernumgebung wirklich den Schülern überlassen. Der „Coach“ ist eigentlich viel mehr ein Jazzbandleader, der eine sinnvolle Umgebung schafft, damit die Bandmitglieder glänzen können. Dazu sollte man (nicht nur in Moodle) dringend zwei Dinge in den Unterricht einbauen: Feedback und Reflexion. Schüler sind durchaus in der Lage sich gegenseitig ein kriterienorientiertes Feedback zu geben, das dem Feedbacknehmer durchaus weiterhelfen kann. Eigentlich ist das unsere Aufgabe, ich kann mir aber vorstellen, dass viele Schüler ein Feedback von Mitschülern ebenso annehmen und etwas daraus ziehen können. Der Bereich der Reflexion erscheint mir aber noch wichtiger. Ein wirklicher Lernerfolg erfordert auch ein Nachdenken über die eigene Lernstrategie, über Fehler, Umwege und Vorankommen. Das ist ein Punkt, der im Unterricht meistens völlig brach liegt – natürlich auch in meinem. Die Onlinefortbildung hat mir einige gute Tipps gebracht, wie man Schüler zu einer Reflexion bringen kann. Eigentlich müsste ich sie nur noch umsetzen. Diese Arbeit steht dann wohl in den Weihnachtsferien an, wenn ihr Ideen habt, teilt sie mir bitte mit!

Nachtrag: Auch die SZ hat sich mit Moodle befasst und kommt zum Schluss „E-Learning wird immer beliebter„, der Lehrerfreund kommentiert „Alle reden über Moodle – und keiner benutzt es„.